Bericht vom UB-Ausflug 2018


Wer kennt Veitshöchheim?

„Da war ich noch nie!“ Dieser Ausruf war im Lauf des kleinen, etwas anderen Rundgangs durch Veitshöchheim im September öfter zu hören.

Umweltfreundlich mit dem Bus – Linie 19 fuhr eine muntere Truppe aus Mitgliedern und Freunden der Unabhängigen Bürger Güntersleben bis zur Bilhildisstraße*.

Von dort ging es zu Fuß weiter, vorbei am Martinsbrünnle, auch Märzebrünnle** genannt, in den fürstbischöflichen Zehntkeller***, in den auch die Günterslebener Winzer ihren Weinzehnt zu liefern hatten. Im effektvoll mit Kerzen erleuchteten Keller gab es dann den ersten kleinen Umtrunk – zur Eingewöhnung sicherheitshalber aus dem Weingut Will – das Ganze etwas unterfüttert mit leckeren Schmalzbrotschnittchen.

Unweit des Zehntkellers gab es Reste eines Mühlrades mit mächtiger Welle, gespeist vom Martinsbrünnle, zu bestaunen, später erfuhren wir dann auch noch vom Problem-Biber am kleinen Teich unterhalb der Mühle.

In gutem Fußmarsch ging es dann zur Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG), wo Marianne Scheu-Helgert im Eiltempo durch den Gemüsegarten der Bayerischen Gartenakademie**** führte. Der lädt übrigens jederzeit zu den Geschäftszeiten zu einem informativen Spaziergang ein.

Nächste Station war dann der im Vergleich zum Zehntkeller 330 Jahre jüngere, aktuelle Keller, nämlich der Versuchskeller der LWG***** An der Steige. Dort schenkte Angelika Will ein absolut zeitgemäßes Getränk der LWG, nämlich ein Schorle aus der Alu-Dose aus, das dann aber allen sehr gut mundete. Überraschend fein schmeckte auch die alkoholfreie Traubenbrause, besonders erfrischend mit Sprudel. Als Unterlage diente hier ein Zwiebelkuchen aus Güntersleben.

Gut gestärkt ging es weiter zum Sendelbach. Von dort bis zum Schlusshock in der Heckenwirtschaft Hessler führte uns Sebastian Heller, stellvertretender Bauhofleiter in Veitshöchheim, unter anderem durch den Spitalwald**. Er erläuterte die dort nötigen Pflegemaßnahmen, insbesondere auch die nach dem Sturm am vorletzten Septembersonntag nötigen Baumsicherungsarbeiten. Er zog die Teilnehmer nicht nur durch seine Sachkenntnis in Bann. Seine Berichte über die verschiedensten Anliegen der Veitshöchheimer Bürger zu Wald und Bäumen regten auch oft zum Schmunzeln an.

Marianne Scheu-Helgert
Unabhängige Bürger Güntersleben


Bilhildis (*um 650) war eine vermögende Veitshöchheimer Grafentochter, die gegen ihren Willen mit Herzog Hetan verheiratet wurde. Sie floh dann zu ihrem Onkel, der Bischof in Mainz war. Dort gründete sie dann Kloster Neumünster.


Das Martinsbrünnle, zu besichtigen in der Herrnstraße, ist eine fast stets Wasser führende Quelle, deren Wasser im Lauf der Jahrhunderte immer wieder zu Streitigkeiten führten: Die Bürger, Mühlenbetreiber und die fürstbischöflichen Hofgarten-Gärtner stritten um ihre Anteile an der Schüttung.


Den Zehntkeller ließ Fürstbischof Johann Gottfried Guttenberg 1683 erbauen. Kurz darauf mussten auch die Günterslebener ihren Weinzehnt dort abliefern.


Die bayerische Gartenakademie berät zu allen Gartenfragen, mehr unter

https://www.lwg.bayern.de/gartenakademie/


Seit den 60er Jahren finden Versuche zur Kellerwirtschaft und zum zeitgemäßen Weinausbau nicht mehr im Bereich der Herrnstraße, sondern An der Steige statt.


Der Fußweg vom Sendelbach zur Gartensiedlung ist überraschend vielgestaltig, mit Wald, Trockenrasen und Hecken – jedem zu empfehlen.