Wahlversammlung am 22.06.2017


Die Unabhängigen Bürger in Güntersleben (UBG) bleiben ihrer Linie treu. Auch vor dieser Bürgermeisterwahl verzichten sie auf Wahlhilfe durch Politprominenz und große Namen von außerhalb. Gleichwohl und trotz parallel laufender Fußballübertragung brauchte sich ihre Bürgermeisterkandidatin Klara Schömig über mangelnden Besucherzuspruch bei ihrer zentralen Wahlveranstaltung in der gut gefüllten Festhalle nicht zu beklagen.
UBG-Vorsitzender Peter Emmerling begründete, warum die UBG seit ihrer Gründung vor jetzt 28 Jahren ganz bewusst auf Unterstützung von außerhalb verzichtet. Gemeindewahlen seien örtliche Wahlen und damit sei auch die bevorstehende Bürgermeisterwahl allein Sache der Wählerinnen und Wähler in Güntersleben. Wer diese als mündige Bürgerinnen und Bürger ernst nehme und nicht nur davon rede, müsse ihnen wie die UBG auch zutrauen, dass sie in der Lage sind, sich selbst ein Urteil zu bilden und eine eigenständige Entscheidung zu treffen. Wahlempfehlungen von außerhalb, die mangels Kenntnis der örtlichen Verhältnisse und der Wahlbewerber ohnehin nur nach Parteipräferenz gegeben würden, seien dabei nicht hilfreich.
Bürgermeisterkandidatin Klara Schömig stellte eingangs ihrer Vorstellungsrede mit Befriedigung fest, dass es bei der Wahlwerbung bisher zwischen ihr und dem Mitbewerber keine persönlichen Verletzungen gegeben habe, und äußerte die Erwartung, dass dies auch die verbleibenden zwei Wochen bis zur Wahl so bleibe. Sie hoffe, dass auch das Umfeld ihres Mitbewerbers von weiteren Versuchen absehe, ihre Integrität in Zweifel ziehen. Sie würde jedenfalls jeden aus ihrer Führungsmannschaft zurechtweisen, der ähnliches in umgekehrter Richtung versuche. Sie sehe sich nicht in einem Wahlkampf, sondern in einem Wahlwettbewerb, in dem es in einem fairen Wettstreit um die bessere Ideen und Konzepte gehe. Die Zuhörer sahen das offenbar genauso und bestätigten sie mit großem Beifall.

Wer von den zahlreichen Besuchern erwartet hatte, von der langjährigen Kämmerin der Gemeinde Güntersleben mit einer Flut von Zahlen überschüttet zu werden, sah sich eines anderen belehrt. Unter Verweis auf ihre dienstlichen Erfahrungen und ihren aktiven ehrenamtlichen Einsatz in vielen Bereichen zeigte Klara Schömig stattdessen auf, wie sich die aktuelle Lage der Gemeinde für sie darstellt, wo sie Handlungsbedarf sieht und wie sie die weitere Entwicklung gestalten will.
In ihren Ausführungen schlug sei einen großen Bogen von den Leistungen der Gemeinde für Familien, Jugend, Sport und Freizeit, der Förderung von Bildung und Kultur, über die Notwendigkeit ortsansässiger Gewerbe-, Dienstleistungs- und Handwerksbetriebe bis zur bevorstehenden Altorterneuerung. Auch die immer aktuellen Verkehrsfragen mit der neuerdings wieder diskutierten Ortsumgehung, der Einsatz regenerativer Energien und ihre Überlegungen zur Erhaltung einer intakten Umwelt nahmen breiten Raum ein.
„Güntersleben steht gut da.“ So fasste Klara Schömig ihre Bewertung zur Lage der Gemeinde dar. Güntersleben sei eine lebendige Gemeinde, aktiv im Inneren, weltoffen nach außen und aufgeschlossen für alles Neue. Als Bürgermeisterin werde sie alles dafür tun, den solidarischen Zusammenhalt und das soziale Miteinander in der Gemeinde zu fördern.
Eine Aufgabe erster Priorität sieht Klara Schömig in den Herausforderungen durch den demografischen Wandel. Im Jahr 2000 waren in Güntersleben 325 Personen 70 Jahre und älter. Das waren 7 % der Gesamtbevölkerung. In der kurzen Zeitspanne bis heute hat sich deren Anteil auf 13 % oder 570 Personen sowohl prozentual wie auch absolut fast verdoppelt. Das stelle die Gemeinde vor ganz neue Aufgaben. Für Klara Schömig ist das vor allem der Bau einer betreuten Wohnanlage möglichst mit angeschlossener Pflegeeinrichtung. Aus ihrer Arbeit mit und für alte Menschen wisse sie, dass diese möglichst lange, am besten lebenslang, in der vertrauten Umgebung des Dorfes bleiben möchten.
Mit den Erfahrungen aus ihrer Führungsaufgabe im Rathaus, ihren praktischen Kenntnissen und ihrem großen Netzwerk in und außerhalb der Gemeinde sieht sich Klara Schömig gut gerüstet, die damit zusammen hängenden Probleme wie den Erwerb eines geeigneten Grundstücks, die Suche nach einem Bauträger und die Verhandlungen mit Betreibern rasch voranzubringen. Obwohl finanzschwach im Vergleich zu anderen Gemeinden oder gerade deswegen sei Güntersleben in der Vergangenheit erfolgreich gewesen, weil es sich auf seine eigenen Kräfte besonnen habe. Güntersleben werde auch künftig stark sein, wenn es selbstbewusst und unabhängig seinen eigenen Weg gehe.
Informativ und unterhaltsam, so empfanden offenbar die Zuhörer die Erläuterungen von Klara Schömig zu ihrer Person und zu ihren Vorhaben. Und so waren auch alle nach weit über einer Stunde Redezeit noch aufmerksam dabei, um zu erleben, dass eine Wahlwerbung bei allem Ernst in der Sache durchaus auch locker sowie souverän und fair in der Abgrenzung zum Mitbewerber sein kann.
So bedauerte denn auch Bürgermeister Ernst Joßberger jüngst öffentlich verbreitete Äußerungen, bei dieser Wahl gehe es darum, den in Güntersleben vorherrschenden Trott und Stillstand zu überwinden. Wie immer, könne man über diese oder jene Entscheidung unterschiedlicher Meinung sein. Wer aber von Stillstand rede, müsse sich schon fragen lassen, wo er die letzten Jahre eigentlich gewesen sei. Dies passe auch nicht so recht dazu, dass ihm gerade in jüngerer Zeit nicht nur einmal – vielleicht sogar zu Recht – vorgehalten worden sei, er überfordere den Gemeinderat mit dem Tempo, das er vorgebe.
Ganz aktuell wusste er in diesem Zusammenhang zu berichten, dass nunmehr amtlich sei, dass es auch in Zukunft in Güntersleben eine zweite Praxis eines Allgemeinarztes geben werde. Er sei vom Stelleninhaber, einem jüngeren Arzt, autorisiert worden, dies jetzt offiziell bekanntzugeben. Damit seien die beharrlichen Bemühungen der Gemeinde doch noch erfolgreich gewesen. Der anhaltende Beifall ließ die große Erleichterung vieler Besucher förmlich spüren.
Ein Schmankerl hatte sich Bürgermeisterkandidatin Klara Schömig bis ganz zum Schluss aufgehoben. In zwei Jahren seien es 100 Jahre, dass Frauen in Güntersleben wie seither in ganz Deutschland wählen dürfen und gewählt werden können. Sollte da Güntersleben bei den erwarteten Jubiläumsfeiern nicht auch ganz vorne dabei sein?